Dachdeckerbetriebe profitieren doppelt vom aktuellen Förderboom: Einerseits beauftragt die öffentliche Hand und private Bauherren vermehrt energetische Dachsanierungen (BEG, BAFA) — was den Umsatz steigert. Andererseits können Dachdeckerbetriebe selbst zahlreiche Förderprogramme für ihre eigene Betriebsoptimierung nutzen. Dieser Ratgeber zeigt beide Seiten.
Förderprogramme für Kundenaufträge (energetische Dachsanierung)
- •KfW BEG NWG — Bundesförderung für effiziente Gebäude Nichtwohngebäude: bis 15 Mio. EUR Kredit + 15–45 % Tilgungszuschuss für energetische Sanierung gewerblicher Gebäude; Dachsanierung mit Dämmung (WLG 032 oder besser) förderfähig; Effizienzgebäude 70–40 NWG als Ziel
- •KfW BEG WG — Bundesförderung für effiziente Gebäude Wohngebäude: bis 150.000 EUR Kredit je Wohneinheit + 5–45 % Tilgungszuschuss; Dachdämmung + Flachdachsanierung förderfähig; iSFP-Bonus +5 % bei individuellem Sanierungsfahrplan
- •BAFA BEG EM — Einzelmaßnahmen: bis 20 % Zuschuss (+ Klimabonus + iSFP-Bonus) auf Wärmedämmmaßnahmen Dach/Keller/Außenwand; für Auftraggeber direkt; Dachdecker als Fachunternehmen qualifiziert
- •PV-Aufdachanlagen: EEG-Einspeisevergütung für Kunden; Dachdeckerbetriebe profitieren vom Installationsgeschäft; KfW Erneuerbare Energien Standard (270) für den Auftraggeber; THG-Quotenberatung als Zusatzleistung
- •Landesförderungen Dachbegrünung: Berlin, Hamburg, München, Stuttgart fördern Gründächer mit 30–80 EUR/m²; Dachdecker als Fachbetrieb direkt förderfähig oder Auftraggeber erhält Zuschuss
Förderprogramme für den eigenen Betrieb
- •go-digital (BMWK): bis 16.500 EUR (50 % Förderquote) für IT-Sicherheit (NIS2, TSE-Kasse), digitales Marketing (Website, Online-Anfragen), digitale Prozesse (Aufmaß-App, digitales Auftragsmanagement, DSGVO-Kundenkartei); nur über autorisierte Berater beantragbar
- •Digital Jetzt (BMWK): 40–70 % auf max. 50.000 EUR für Dachdeckerei-ERP (Kalkulation, Aufmaß, Bautagebuch), Drohnenauswertungs-Software (Dachvermessung per Drohne), Flottenmanagement (GPS, Fahrtenbuch), CAD-Planungssoftware für Flachdach und Steildach
- •BAFA BEI — Querschnittstechnologien: bis 55 % für Hocheffizienz-Kompressoren (Druckluft für Werkzeuge), LED-Werkstattbeleuchtung, effiziente Heizsysteme im Betriebsgebäude
- •KfW-Unternehmerkredit: bis 25 Mio. EUR für Betriebsfahrzeuge (Lkw, Transporter, Arbeitsbühnen), Lagerausbau, Maschinenpark (Hebezüge, Fassadenlifte, Drohnen-Flotte)
- •KfW 439 Ladeinfrastruktur: bis 50.000 EUR pro Standort für Wallboxen für E-Fahrzeuge in der Firmenflotte; Kombination mit BMDV E-Lkw-Kaufprämie möglich
- •BMDV E-Lkw-Kaufprämie: bis 80.000 EUR pro Fahrzeug für batterieelektrische Lieferwagen und Lkw (N2/N3); Umrüstung der Firmenflotte auf E-Fahrzeuge
- •GRW (Gemeinschaftsaufgabe): bis 40 % Investitionszuschuss für Betriebserweiterungen in Fördergebieten (neue Bundesländer + strukturschwache Regionen); für Hallen, Lager, Werkstätten
Gründungs- und Nachfolgeförderung
- •Meistergründungsprämie: bis 10.000 EUR einmaliger Zuschuss bei Gründung oder Übernahme mit Dachdeckermeister-Brief; in Bayern, BW, NRW, Hessen, Sachsen verfügbar
- •KfW ERP-StartGeld: bis 125.000 EUR Kredit (100 % Haftungsfreistellung) für Betriebsgründung oder -übernahme innerhalb der ersten 5 Jahre; ideal für Fachkräfte die sich selbständig machen
- •Bürgschaftsbank: Bürgschaften bis 1,25 Mio. EUR für Investitionskredite bei Betriebsübernahme oder -erweiterung
- •BAFA Unternehmensberatung: bis 3.200 EUR Zuschuss (50 %) auf Beratungskosten für Gründungs- und Übernahmeplanung; BMWi-geförderte Berater nutzen
Ausbildungs- und Fachkräfteförderung
- •Ausbildungsbonus: bis 4.000 EUR pro Auszubildendem für Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen oder benachteiligte Jugendliche ausbilden; Dachdecker auf Engpassberufsliste → hohe Priorität
- •EGZ (Eingliederungszuschuss): bis 50 % des Arbeitsentgelts für bis zu 12 Monate bei Einstellung von Langzeitarbeitslosen oder Personen mit Vermittlungshemmnissen als Dachdecker-Helfer
- •QCG (Qualifizierungsgeld): bis 60 % Nettolohnersatz für Weiterbildung im Betrieb; Themen: Photovoltaik-Montage, Flachdachabdichtung neue Materialien, Arbeitssicherheit DGUV, NIS2-Schulung
- •WeGebAU: bis 100 % Lehrgangskosten + Lohnkostenzuschuss für Kleinbetriebe; Dachdecker-Weiterbildungen (Meistervorbereitung, PV-Fachkraft, Gerüstbauer-Zertifikat)
Rechenbeispiel: Dachdeckerbetrieb mit 20 Mitarbeitern
- •3 neue E-Transporter (je 60.000 EUR = 180.000 EUR): BMDV E-Lkw bis 15.000 EUR/Fahrzeug = 45.000 EUR; KfW 439 Ladeinfrastruktur 3 Wallboxen (18.000 EUR) ca. 9.000 EUR
- •Dachdeckerei-ERP + Drohnen-Aufmaß-Software (40.000 EUR): Digital Jetzt ca. 16.000–28.000 EUR (40–70 %)
- •go-digital IT-Sicherheit + NIS2 (15.000 EUR): 7.500 EUR Zuschuss
- •2 neue Auszubildende: Ausbildungsbonus 8.000 EUR
- •Gesamtförderung ca. 85.500–97.500 EUR — Ergebnis: fast die Hälfte der Gesamtinvestition wird gefördert
Bei der BAFA BEI und dem KfW Klimaschutzprogramm gilt strikt: kein Vorhabenbeginn vor Antragstellung. 'Vorhabenbeginn' ist bereits die verbindliche Bestellung einer Anlage oder der Abschluss eines Liefervertrags. Wer den Energieberater-Bericht abwartet und dann erst die Anlage bestellt, ist auf der sicheren Seite.
Schritt-für-Schritt: Förderantrag für Dachdeckerbetriebe
- 1Betriebsprofil klären: Größe (MA-Anzahl), Investitionsvorhaben (Fahrzeuge, Software, Werkzeuge, Gebäude), Bundesland → bestimmt verfügbare Programme
- 2BAFA BEI: Antrag im BAFA-Portal vor Beauftragung der Anlage/Fahrzeuge; Energieberater-Bericht kann als Basis dienen
- 3go-digital: BMWK-autorisierten Berater beauftragen (Liste auf bmwk.de); dieser stellt Antrag und führt Beratung durch
- 4Digital Jetzt: Antrag im BMWK-Portal selbst vor Software-/Hardware-Kauf; einfaches Formular, 3–4 Wochen Bearbeitungszeit
- 5E-Fahrzeuge: Zuerst BMDV E-Lkw-Antrag (BALM-Portal), dann KfW 439 für Ladeinfrastruktur; beide vor Bestellung
- 6Ausbildungsbonus: Antrag bei Agentur für Arbeit vor Abschluss des Ausbildungsvertrags
- 7GRW: Antrag bei der Landesförderbank (SAB, ILB, NBank etc.) vor Baubeginn; Projektvolumen ≥ 100.000 EUR als Richtwert
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